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Ursprung und Zweck des Didgeridoos

Der Ursprung dieses phänomenalen Instrumentes liegt in den Weiten des australischen Kontinentes, bei den Aborigines. Lange Zeit wurde die Kultur der Aborigines außer acht gelassen und das Didgeridoo zu einem nicht ernstzunehmenden Kuriosum erklärt. Mit der touristischen Eroberung des fünften Kontinents wurde das Didgeridoo auch in Europa bekannt. Mittlerweile wird es gelegentlich in der Rock- und Popmusik eingesetzt, um dem Ganzen eine exotische Note zu verleihen. Was den Bekanntheitsgrad angeht, so hat das Didgeridoo durch das Uhuru-Weltmusikfestival in der Schweiz im Jahre 1994 einen besonderen Auftrieb erfahren, dessen Schwerpunkt auf Australien und insbesondere auf dem Didgeridoo lag. Jedoch weiss wohl niemand wirklich genau, woher das Didgeridoo kommt oder wie die Aboriginals dazu gekommen sind. Höchstens die Ureinwohner selber. Und selbst das ist nicht so ganz sicher, denn sie kennen keine Schrift so wie wir, um sich Überlieferungen aufzuschreiben. Alles wird nur in Geschichten überliefert oder in Form ihrer Malerei. So gibt es zahlreiche Geschichten um das Didgeridoo, wie die Aboriginals ihr Instrument erhielten, die zum großen Teil sehr mysteriös und teilweise auch absurd klingen. Eine Geschichte besagt zum Beispiel, dass vor einer sehr geraumen Zeit ein Ureinwohner durch das Land ging, um Holz für sein Feuer zu sammeln. Um das Holz zu transportieren hatte er sich einen Korb auf den Rücken gebunden und legte dort die Zweige und Äste hinein. Als er durch eine Schlucht kam, durch die der Wind blies, hörte er einen seltsamen dumpfen Ton. Er war erschrocken und dachte ein Geist hätte sich in einen hohlen Ast verfangen. Um ihn zu befreien, blies er in den hohlen Ast. Dabei erklang dieser Ton wieder. Nun dachte er, der Geist spreche zu ihm und so spielte er weiter und weiter. Da es in Australien eine sehr große Anzahl von Stämmen der Aboriginals gibt, gibt es auch die verschiedensten Namen für das Didgeridoo, denn fast jeder Stamm hat sein eigenes Wort für das Blasinstrument. Ein von vielen Aboriginals benutzter Name ist Yedaki. Weitere Namen sind Yiraki, Yiraga, Yili-Yiki, Ulpirra, Ilpirra, Uluburu, Ihambilgilgbilg, Kanbi, Ganbi, Ganbag, Djalupi, Djalupun, Gunbark, Mako, Larwah, Aritjuda. Der eigentliche Zweck des Didgeridoos war es zunächst mal Lieder und Rhythmen darauf zu spielen, die die Aboriginals bei festlichen und rituellen Anlässen verwendet haben. Ferner wird es von den Aboriginals benutzt um Tiergeräusche zu imitieren. In Australien wird das das Didgeridoo fast ausnahmslos von Männern gespielt. Mit seinem Aussehen und seinen Klängen verkörpert es das männliche und damit das gebende Prinzip, während der Raum, der den Klang aufnimmt und verstärkt (z.B. eine Höhle), als weiblich gilt. Bei den Aborigenes wachsen die Kinder von Geburt an mit dem Didgeridoo auf. Was ihre Entwicklung angeht, so lassen sich verschiedene Lernstufen unterscheiden, in denen sie sich tief in die Geräusche der Natur einfühlen, um sie dann so genau wie möglich auf dem Didgeridoo nach zu spielen. Auf diese Weise lernen sie, Gefühle und Eindrücke mit bestimmten Klängen und Rhythmen zu verbinden. Umgekehrt können später durch das Spiel bestimmte Emotionen und Erfahrungen wieder abgerufen werden. Beim Spielen des Didgeridoos gibt es in Australien regionale unterschiede. Gewöhnlich wird es von Klanghölzern, Händeklatschen und Gesang begleitet. Innerhalb ihres Stammeslebens widmen die Aboriginals einen Großteil ihrer Zeit dem traditionellen Leben. Jede Geschichte, die vermittelt wird, ist mit einem bestimmten Tanz oder Rhythmus verbunden. Die Lieder (sog. "songlines") haben ihren Ursprung in der "Traumzeit", einer Art Schöpfungsgeschichte. Darin wird erzählt, wie die Traumzeit-Ahnen durch das kahle und eintönige Land zogen. Vor ihren Wanderungen legten sie sich schlafen und träumten die Ereignisse des folgenden Tages. Auf diese Weise ertäumten sie auch die gegenständliche Welt. Die Aboriginals sagen auch, daß die Traumzeit-Ahnen alles, was wir heute vorfinden, ins Leben "gesungen" haben. Am Ende des Schöpfungsprozesses verwandelten sie sich z.B. in Tiere oder Bäume. Diese Traumzeit-Mythologie hat rund hundertfünfzigtausend Jahre lang "eine Kultur genährt, die in Harmonie mit der Natur lebte und voller Kraft, Vitalität und Lebensfreude war". Das Didgeridoo ist für die Aboriginals weit mehr als nur ein Musikinstrument. In ihren täglichen Liedern und Ritualen nehmen die Aborigenes heute noch Kontakt zu ihren jeweiligen Traumzeit-Ahnen auf, wobei der Klang des Didgeridoo manchmal die Stimmen der Ahnen verkörpert. Hinsichtlich solch heiliger Zeremonien unterscheidet man Initiations- und Trauerrituale. Der Klang des Didgeridoos in den Trauerritualen soll die Reise der Seele des Verstorbenen in das Land der Toten angenehmer machen und auf die Hinterbliebenen schmerzlindernd wirken. Das Didgeridoo wird von den Aboriginals sowohl für profane als auch für spirituelle Zwecke eingesetzt. Gelegentlich werden auch kranke Menschen oder deren erkrankte Körperteile direkt "angeblasen". Das Heilen ist für die Aborigenes jedoch ein so natürlicher Vorgang, daß es nicht eigens hervorgehoben wird. Man spricht weniger darüber, sondern tut es einfach. Ganz selbstverständlich sind auch die tranceähnlichen Zustände, in die sich die Aboriginals, u.a. mit dem Didgeridoo, versetzen.